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Am 29. Februar 2024 findet ab 17 Uhr der Musikalisch-Literarische Abend in der Aula statt. Für das leibliche Wohl sorgen unsere 12er. Die Eröffnung der Galerie auf dem Flur zur Aula bereits ab ca. 16:30 Uhr.
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  • Rede zur feierlichen Enthüllung der neuen Gedenktafel für J. F. Struensee

Johann Friedrich Struensee wurde am 5. August 1737 hier in Halle im Pfarrhaus der Moritzkirche geboren. Er besuchte die Latina und machte an der Universität 1757 den Doktor der Medizin. Ein Jahr später folgte er seinen Eltern ins dänische Altona, wo er Armenarzt und Stadtphysikus wurde. Dort nahm er den Kampf gegen Schmutz und “Schlendrian” in den Hospitälern und Waisenhäusern auf und ging erfolgreich gegen die große Seuchen der Zeit vor: Pocken – Ruhr – Fleckfieber – Diphterie – Syphilis.

Er wollte den Menschen helfen und vertrat eine pragmatische Auffassung der Medizin. Struensee war Vorreiter bei der Immunisierung der Pocken in Deutschland und schilderte als erster genau die Symptomatik und den Krankheitsverlauf einer damals grassierenden Tierseuche, der Mauln- und Klaunseuche. Doch seine Kollege sahen in ihm einen Störenfried und kritisierten und beleidigten ihn fortlaufend. Die ihm gebührende Dankbarkeit blieb aus.

Als Armenarzt kannte Struensee besser als alle anderen die unterernährten, verlausten, dem Trunk ergebenen, von der Hand in den Mund lebenden Menschen, die in muffigen, thyphusverseuchten Kellerwohnungen hausten. Struensee setzte sich für arme Familien ein. Er wollte die großen sozialmedizinischen Aufgaben lösen, Ansätze schaffen, Vorschläge machen und die Probleme lindern, des Weiteren wollte er ein umfangreiches seuchenprophylaktisches System einführen, das der Bevölkerung Schutz bot.. Er tat all seine aufklärerischen Ideen zu Medizin und Politik offen kund. Die Erniedrigungen ließen ihn 1767 daran denken, Altona zu verlassen. Die Ernennung zum Reisearzt des dänischen Königs kam ihm allerdings zuvor.

Er begleitete den jungen Dänenkönig auf seiner Europareise, wo Struensee 1768 in Oxford die Ehrendoktorwürde verliehen bekam.

Als die Reise vorbei war, wurde Struensee zum Leibarzt des Königs ernannt und siedelte nach Kopenhagen um. Dort bekam er Einfluss auf den König. Am 14. September 1770 begann die Ära Struensees als revolutionärer liberaler und fortschrittlicher Staatsmann in Dänemark mit einem Paukenschlag. Mit der Verkündung der absoluten Pressefreiheit. In den 18 Monaten, die er an der Macht war, erließ er rund 1800 Gesetze. Darunter, das Verbot des Sklavenhandels, das Einrichten von „Babyklappen“ und Entbindungsstationen, die Schaffung eines funktionierenden, schnell und effizient arbeitenden und nur auf Leistung bedachten Staatsapparates, und die Einrichtung eines sozialen medizinischen Versorgungssystem für arme Familien!

Er machte aus dem noch stark unter feudalen Strukturen und wirtschaftlich schwachen Dänemark einen fortschrittlichen und liberalen Staat.

Doch sein kometenhafter Aufstieg bescherte ihm auch Feinde, die sich ihrer Privilegien beraubt sahen. Die Liaison mit der Königin nahmen sie als Anlass für die Intrige gegen Struensee und als Beginn einer unglaublich großen Verleumdungskampagne.

Es kam wie es kommen musste, Struensee wurde von einer intriganten Hofkamarilla gestürzt, verhaftet und schließlich auf bestialische Weise Opfer eines Justizmordes.

Ich nahm mit einem Beitrag über Johann Friedrich Struensee am letzten Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil, den ich als Landessieger Sachsen-Anhalt abschloss. Die Faszination Struensee blieb auch nach dem Wettbewerb erhalten und meine Tutorin und ich wollten noch etwas für Johann Friedrich Struensee tun. Da kam uns die Idee ein Gedenktafelprojekt ins Leben zu rufen um Struensee eine gebührende Verehrung und Anerkennung zu Teil werden zu lassen. Und wie wir sehen, wurde aus dieser Idee nun eine wundervolle und schöne Realität. Ich bin sehr glücklich, dass es uns gelungen ist das Projekt zu verwirklichen und möchte allen danken, die dabei geholfen haben. Mein besonderer Dank gilt Frau Schmidt, ohne deren Unterstützung wohl so einiges nicht geschafft worden wäre. Ich danke Ihnen.

Ich danke Ihnen!

Oliver Meyer Halle, d. 24.04.2010